In der Kunst darf alles sein, was ist.

Alles lose kann einen Rahmen finden wenn es einen braucht und das sein, einfach was es jetzt gerade sein möchte. In der Kunst geschehen Dinge mit Absicht und absichtslose, so wie die Liebe absichtslos ist, bedingungslos in ihrer schönsten Art, wie wir sie als Eltern erfahren dürfen.

Ich wünsche Euch viel Freude dabei, so können zB alle Gedanken und Gefühle zu Deinem Kind einen Platz finden und sich ausdrücken. Alles, was Dich jetzt gerade in Deiner Schwangerschaft bewegt...alles darf in der Kunst sein, so wie es ist.

In der Kunst wie in der Liebe finden wir Entwürfe.

Kunst braucht keinen Grund, genauso wie Liebe keinen Grund braucht. Das ist das schöne an ihr.

In der Kunst dürfen wir die ehrlichste Version von uns selbst sein und nichts absolut nichts kann dabei schiefgehen. Habe Mut. In jedem Menschen ist die Sehnsucht nach schöpferischem Ausdruck, Kunst ist frei von richtig oder falsch von schön oder nicht, es ist das Wesen von Kunst selbst. Kunst ist eine Einladung an jeden Menschen, jeden Tag auf Neue.

Schwanger zu Sein ist so eine feine Zeit, in der man besonders offen, frei und kreativ ist. Freude und Inspiration findet zB durch die Farben der Bäume, dem Gefühl eines Steins, dem Rascheln einer Papiertüte im Wind, Stimmungen und Licht des Himmels, Wassers, dem Abdruck einer Buchecker im Schnee, dem aufgewirbelten Staub durch einen Autoreifen, den Duft von Blumen, die weder Emotionen noch Konflikte kennen, eine leere Streichholzschachtel am Wegesrand... Unsere Kinder zeigen uns immer was sinnliches Erleben ist , sie beobachten, spüren alles und spielen mit all diesen Eindrücken. So dass sich alles immer wieder neu zusammenfügt, sich verbindet mit dem was war, was jetzt gerade ist, vorallem was in uns selbst ist.

In der Liebe spielen wir auch wie Kinder und wenn sie verloren geht stampft man trotzig auf oder man findet auch keine Erklärung außer vielleicht, dass die Zeit vergangen ist. Sie ist wie ein Gast auf Reisen, der aber absolut ständig seine Koffer gepackt hat. Ich glaube es ist sehr großes Glück wenn sie bei manchen Menschen sehr lange Zeit verweilt. Was zwei Menschen füreinander sind ist einzig. Eins der schönsten Dinge, die zwei Menschen miteinander verbinden können sind, wie in Manets Wintergarten,ihre Gedanken. Ihre Berührung ist fünf Zentimeter voneinander entfernt aber sie teilen dieselben Gedanken. Wunderschön. So, wie wenn Eltern ihr Kind ansehen und dieselben Gedanken teilen.

Wenn ihr zusammen auf den bunten Babybauch schaut fotografiere ich euch so gerne mit der Frage wie ihr euch kennengelernt habt.Ich finde der Anfang einer Liebesgeschichte ist soo interessant besonders und spannend. Mit dem Nebeneffekt, dass ihr das fotografieren vergesst.Man sollte echt diese ganzen Geschichten sammeln und veröffentlichen weil sie so schön sind. Andernseits finde ich gehören sie auch zwei Menschen ganz allein. Beginn einer Liebesgeschichte? Da muss ich immer daran denken wie John Lennon von der Leiter runterstieg und nichts mehr wie vorher war. Er lernte Yoko Ono so kennen,sie hat eine Kunstausstellung gemacht Mitte der 60er Jahre ein Apfel oder ein Leinensack voller rostiger Nägel für hundert Pfund. John Lennon kam in einen Raum nur mit einer Leiter ging hinauf nahm eine Lupe um oben auf einem weißen Blatt Papier das Wort Yes zu lesen. Einfach nur yes. Himmlisch einfach nur himmlisch. Der Beginn ihrer Liebesgeschichte gehört für mich zu den wundervollsten ever. Auch Grönemeyer, wie er über seine Frau sagte dass er auch nach zwanzig Jahren nie aufgehört hat, einfach sie kennenlernen zu wollen. Manchmal glaube ich das ist ein Geheimnis des Liebe und dass dieses Gefühl einfach irgendwann aufhört, sich kennenlernen zu wollen,das ist so traurig. Vorallem man kann sich sehr bemühen aber man kann’s nicht mehr ändern.

Genießt die Zeit miteinander.

Mit meiner Mutter habe ich als Kind viel Zeit damit verbracht Bus zu fahren, ganz lange Bus zu fahren, durch die Straßen der ganzen Stadt und aus dem Fenster zu schauen. Oder auf ihrem Fahrrad Gepäckträger. Oder auf unserem alten Holzschlitten. Und auf dem Wochenmarkt. Ich saß sehr gerne neben meinem Großvater und beobachtete ihn mit seiner Schreibmaschine, er hat mir gezeigt wie man Bleistifte spitzt. Eine meiner Tanten hatte viele Putzstellen und manchmal war ich in vornehmen Haushalten zum putzen mit dabei. Himmlisch. Danach sind wir herumgestromert, am See und durch die Wiesen. Einfach so. Haben uns Geschichten ausgedacht am alten Wasserturm und mit der Abendsonne unten bei den Steinen unser Essen aus Butterbrotpapier genossen. Mit einer anderen lernte ich Tiere und auch draußen viele Wege kennen mit spielen, herumstromern. Und mit den anderen hörte ich alte Platten und wir spielten auf dem Balkon. Mein Vater hat mir samstags morgens immer neue Orte gezeigt und mich mitgenommen in seine Garage wo ich auch immer irgendwas basteln konnte. Einfach aus dem,was da war. Er liebte das Meer und rauschende Feste.Meine Großmutter hat mit mir viel Zeit in ihrer Küche verbracht, an ihrer Nähmaschine und am Ofen. Und hinter dem Haus unter der großen alte Weide. An den Blattinnenseiten haben wir gerne nach kleinen Marienkäfern gesucht oder wir saßen einfach auf der Bank unter ihr und lauschten ihren Geschichten. Sie hat mir mal ein Buch geschenkt und damit eine ganze Welt. Auf ewig.

Die Zeit,

die uns Menschen als Kind geschenkt haben, Menschen, die uns sehr geliebt haben, die Zeit, in der wir sie sehr genau kennengelernt haben und sie uns, das sind Schätze in unserem ganzen Leben. Daraus ergibt sich alles weitere. Alles, was wir lieben, was in uns selbst lebt und auch wie wir diese Welt vertsehen.

Auch unabhängig davon, von vielen anderen Dingen, die einen gesamten Menschen ausmachen. Wie Bildung, Möglichkeiten,Chancen, Eltern, Umfeld, Fähigkeiten, auch alle Erfahrungen und Erlebnisse mit zB diesen Menschen auch den unschönen, Herkunft, auch die Umstände und das Vermögen etc von Familien. Als Eltern lernt man sein Kind zB kennen, indem man nie aufhört ihm Fragen zu stellen. Auch wenn man vieles nicht versteht, einfach um eine Ahnung von diesem ganzen Menschen zu bekommen. Am Elternsein finde ich schön, dass das nie aufhört.

Wenn es in der Erziehung anstatt einem Ziehen in eine bestimmte Richtung viel mehr um ein Kennenlernen geht, ich glaube das ist eins der schönsten Geschenke an unsere Kinder auf ihrem gesamten Lebensweg. Und wenn man später sagen kann, du bist ja voll anders als ich mir dich vorgestellt hab, als ich und wie ich die Dinge sehe aber echt voll gut, wie du bist und auch wie du dein Leben meisterst, dann hat man glaub einiges in der sogenannten Erziehung ziemlich richtig gemacht. Aber das ist nicht immer einfach, vorallem in der Zeit, in der wir heute leben. Als Eltern trägt man eine Menge Verantwortung und unsere Kinder müssen uns dafür aber nicht dankbar sein. Vielleicht sind sie es später einmal einfach für unsere Liebe.

Die Liebe meiner Eltern war glaub hauptsächlich in ihrer Küche zuhause. Dort haben sie morgens zusammen ungeduscht, meine Mutter noch in Nachthemd oder Morgenmantel, angefangen stundenlang zu kochen, zu reden, zu diskutieren, zu lachen, dort haben sie gestritten, dort wurde auch sehr viel geschrien und geweint und sich versöhnt und sich einfach geliebt. Sich gehalten, sich zärtlich gestreichelt und miteinander geschwiegen. Sie konnten genauso fein wie grob miteinander sein. Am Ende überwog letzteres. Schade, dass all diese Dinge einfach irgendwann aufhören. Einfach so und keine Erklärung genügt einem.

Hätten sie einen weiteren Horizont gehabt oder einen anderen Geldbeutel oder selbst andere Eltern usw, so hätten sie andere Entscheidungen getroffen. In ihrem ganzen Zusammensein. Und vielleicht hätten sie an einem bestimmten Punkt ne Paartherapie begonnen und an ihrem Verhalten arbeiten können. Nur, ihre Liebe wär das irgendwie nicht gewesen.

Es gab viel Drama und viele Tränen. Viele Lügen und viel Kälte. Irgendwann saß ich mit einer fremden Frau und deren zwei Kinder in ihrem schlampigen Wohnzimmer. Mit meinem Vater. Es gab Rotkohl. Mein Vater kochte immer Rotkohl, wenn er keinen Rat wusste. Das ist jetzt unser Papa. Heute ist diese Familie länger zusammen als er mit meiner Mutter je war. Sie verreisen spontan und stellen die Möbel oft um. Sie stehen sich bei und werden wahrscheinlich miteinander alt. Keine Ahnung, ob ich das jemals gut finden kann.

Alle Kinder wollen immer bei ihren Eltern sein. Egal was ist, egal wer sie sind. Vielleicht ist das Natur. Auch wenn sie es nicht besser wussten. Man kann ihnen stundenlang sagen, dass sie jetzt an einem sicheren Platz sind. Es ist ihnen vollkommen egal.

Ich dachte als Kind immer, dass sich meine Eltern trennen, mir passiert sowas nicht und am Ende wo das schon klar war hab ich immer noch dafür gebetet. Obwohl alles schon Dreck war.

Später dachte ich immer, mir selbst passiert das nie. Und das ist einfach passiert, zwar ohne Dreck aber ohne mich zu fragen. Ich glaube man ist schon viel früher allein, bevor man geht oder der andere weiter geht. Schon viel früher bevor mans geschnallt hat. Wir sind so weit miteinander gekommen und doch ist der Weg zu Ende gegangen. Liebe fragt einfach nicht, wusste schon Nena.

Geniesst Eure Zeit miteinander, denn sie ist besonders und sehr wertvoll. Nichts kann sie je zurückbringen. John Lennon wollte kein Beatle sein sondern einfach John Lennon. Es gibt nunmal kein richtiges Leben im falschen. Er hat seine Liebe und sein Leben gelebt. Mutig und frei. Ich finde es sehr bewunderswert, denn die Lebenseinstellung von Yoko Ono ist Yes zum Leben, durch diese Erkenntnis ist er als ein anderer Mann von der Leiter gestiegen. Es war nichts mehr wie vorher. Der Beginn dieser Liebesgeschichte ist himmlisch. Er musste diese Frau einfach kennenlernen und sie haben ihre Zeit gehabt. Das finde ich auch so schön an ihnen beiden, sie haben ihre Zeit miteinander gehabt. Eigentlich das schönste an der ganzen Geschichte. Nur durch Liebe können wir die beste Version von uns selbst sein.

Alles was man über sie schreiben kann ist im Grunde nichts weiter als bloße Theorie. Wie das Wort eines Schriftstellers, was nichts anderes möchte als geschrieben werden. Wie der Pinselstrich eines Künstlers, der nichts anderes möchte als gemalt zu werden. In den Büchern ist es die Welt, die sich hinter den Worten eröffnet —das Eigentliche. Man kann aus Erfahrungen mit Liebe schreiben aber sie sind nicht die Erfahrung selbst. Kunst kann man beschreiben aber im Grunde sind es immer nur Entwürfe und Versuche. Kunst an sich und Liebe an sich haben im Grunde eine ganz andere Sprache. Habt Mut Kunst zu erleben, denn jeder Mensch ist ein Künstler! Jeder kann malen, jeder kann kochen.

Alles Liebe, Simone

© 2021 Bauchkunst - Simone Golfier | Impressum | Datenschutz